Freitag, 24. Februar 2017

Alter Hundefriedhof

Manchmal stößt man bei Spaziergängen auf höchst seltsame Dinge. In diesem Fall sind wir in Wietze rein zufällig auf einen gut im Wald versteckten Hundefriedhof gestossen. Viele der Gedenksteine tragen keine lesbaren Namen und Daten mehr, andere geben aber Auskunft darüber, dass hier Vierbeiner schon in den 1940er Jahren entweder ihre letzte Ruhestätte fanden oder dass hier ein Platz des stillen Gedenkens geschaffen wurde.

Janka von Auenhein
Findling mit Gedenkplatte

Die den Friedhof dominierende Gedenkplatte trägt folgende Inschrift:

Hier liegt ein Herz, das edel schlug,
das frei von Falschheit und von Trug
mir treu ergeben bis ans Grab,
stets seines Könnens Bestes gab.
Ja, seht den Hügel staunend an und
wer war der Mann. - (Fraget mich)
Bekennen will ich's jede Stund,
der Einzige, er war mein Hund.

Gedenkplatte
„...mei Hund“
Saldo v. d. Bismarckquelle, gen. Blacky

Heidi
Lukas
Quillo v. d. Wetterau
Lord
Allah
Folko
Bine





Fotos: Eigene (Februar 2016 und Februar 2017)

Donnerstag, 23. Februar 2017

Hänigsen - Heeresmunitionsanstalt

Gebäude auf dem Muna-Gelände

Die Geschichte der Heeresmuna Hänigsen beginnt Mitte der 1930er Jahre. Da nämlich wird der Kalischacht „Riedel“ in Hänigsen vom Oberkommando des Heeres übernommen, um für die Einlagerung von Munition und anderen Kampfstoffen ausgebaut zu werden.

Das Wachgebäude ist noch heute erhalten

Luftbild der Heeresmunitionsanstalt Hänigsen (aus 2017)

Ab 1937 errichtet die Wehrmacht in einem Waldgebiet etwa 2 km nördlich der Schachtanlagen eine Produktionsstätte zur Befüllung und Fertigstellung von Munition. Die Hänigser Ortschronik gibt nähere Auskünfte über die Baumaßnahmen: Demzufolge entstehen fünf Produktions- und vier dreigeschossige Lagerhäuser, zwei sogenannte Handmunitionshäuser, ein Speisesaal, sowie Sozial- und Sanitärgebäude.  Der Fertigungsbereich und die Schachtanlage werden durch einen Gleisanschluss der Burgdorfer Kreisbahn verbunden. Auf halbem Wege entsteht außerdem ein Barackenlager für die Arbeitskräfte (Lager Celler Weg).

Eines der noch nahezu im Originalzustand erhaltenen Lagergebäude

Ein weiteres Lagergebäude

Gleisanlage, Blickrichtung Wathlingen

Eingeschossiges Gebäude auf dem Munagelände

Dreigeschossiges Lagergebäude

1938 läuft die Produktion an, und die von zunächst 60 dienstverpflichteten Frauen in der Muna gefertigten Kampfstoffe werden fortan im Schacht eingelagert. Im Verlauf des Krieges  und mit der Verpflichtung von immer weiteren Arbeitskräften wird die Produktion stetig hochgefahren. Schließlich verlegt man jedoch wegen der ständig wachsenden Bedrohung durch alliierte Bombenangriffe die Fertigung nach Untertage. Laut Ortschronik zieht in die Gebäude im Wald der „Wehrkreis-Sanitätspark XI“ aus Hannover ein.

Nach Kriegsende sorgen die Briten für die Entmilitarisierung und Demontage der Muna. Während der Munitionsbergung kommt es am 18. 6. 1946 im Stollen zu einem schweren Explosionsunglück, bei dem rund 11.000 t Munition detonierten und 82 Menschen Untertage sowie 4 weitere Übertage in den Tod gerissen werden.

Die Aufräumarbeiten dauern bis 1950 an, anschließend beginnt die Wiederaufnahme der Kali- und Steinsalzförderung. Das Bergwerk wird 1996 endgültig stillgelegt.
Aus der Muna wird das „Sanitäts-Depot Hänigsen“, welches in den ersten Nachkriegsjahren die niedersächsischen Krankenhäuser mit Sanitätsmaterial versorgt. Seit ca. 1949 werden die ehemaligen Muna-Gebäude im Wald von der Firma Bahlsen als Lager genutzt – daher stammt wohl auch der für die Muna Hänigsen gebräuchliche Name „Waldlager“.


Lagergebäude von den Bahngleisen aus gesehen

An den Gleisen, Blickrichtung Hänigsen

Weiteres dreigeschossiges Lagergebäude

Lagergebäude

Alter Prellbock auf dem Munagelände

Lagergebäude von den Gleisen aus gesehen

Links der Gleise liegt das Munagelände und reicht bis zum Gebäude

Ehemaliges Sanitärgebäude?

Ehemaliger Speisesaal?

Das Gelände ist umzäunt und darf nicht betreten werden. Sämtliche Aufnahmen sind von außerhalb der Umzäunung entstanden.

Hier ist überall der Zutritt verboten

Auf einigen Bereichen des Geländes befinden sich noch heute Relikte aus der Kriegszeit,
wie Zünderbüchsen und andere Behältnisse aus Bakelit

Fotos: eigene (Mai 2015 und Februar 2016)

Dienstag, 21. Februar 2017

Marineflugplatz Scheuen


Während des Ersten Weltkriegs suchte die Kaiserliche Marine nach einem geeigneten Standort für die Errichtung eines sogenannten „Marine-Landflugplatzes“ als Zwischenstation für die Verbindung Wilhelmshaven - Kiel. Man wurde bei Scheuen fündig und begann 1917 mit dem Bau des Flugfeldes. Die Fertigstellung erfolgte am 3. Oktober 1918 und der Flugbetrieb wurde sogleich aufgenommen.
Den Piloten ist es zu verdanken, dass sich die Nachricht vom Kieler Matrosenaufstand sehr schnell auch in Celle verbreitete und hier am 7. November 1918 zum Aufstand führte.
Nach dem Kriegsende und der Demilitarisierung Deutschlands wurde der Flugplatz 1919 aufgegeben.
(Quellen: Wikipedia und Geschichtsspuren)

Kürzlich bin ich im Internet auf die folgenden Fotografien gestossen, die zwar nur einen kleinen, dafür aber sehr interessanten Einblick in die kurze Zeit des Bestehens dieses Flugplatzes gewähren.

„Abgestürztes Flugzeug auf dem Marine-Flugplatz Scheuen bei Celle (1918)“
[Link zum Originalbild]
„Besichtigung ... ... Admiral v. Krosigk“
[Link zum Originalbild]
Inspektion des Flugfeldes durch Admiral von Krosigk
[Link zum Originalbild]
„Personal der Hamburger Ferienkolonie auf dem Flugplatz 1919/20“
[Link zum Originalbild]
Szene vor Baracke 11
[Link zum Originalbild]
„...Verlobung auf dem Flugplatz, 1919“
[Link zum Originalbild]
„Ferienkolonie, Winter 1919“
[Link zum Originalbild]
„Tag der Revolution auf dem Flugplatz“
[Link zum Originalbild]

Beim hier erwähnten Admiral von Krosigk (Fotos 2 und 3) dürfte es sich um Admiral Günther von Krosigk handeln. Er war im Reichsmarineamt tätig und verhandelte während der Novemberrevolution mit meuternden Matrosen. 1919 wurde er in den Ruhestand verabschiedet.

Admiral Günther von Krosigk
[Link zum Originalbild]


Hier noch eine Postkarte, die die Baracken der Ferienkolonie auf dem Marineflugplatz zeigt:

Marine-Flugplatz Celle-Scheuen

Viele weiterführende Informationen zu diesem Flugplatz (und der Folgenutzung auf dem Gelände) finden sich auf der Seite Found Places von Hendrik Altmann: Der Flugplatz der Kaiserlichen Marine bei Scheuen und Heeresmunitionsanstalt Scheuen.

Herzlichen Dank an Bruno Tartarin in Arnaville (Frankreich) für die Erlaubnis zum Abbilden der alten Fotografien.