Donnerstag, 23. Februar 2017

Hänigsen - Heeresmunitionsanstalt

Gebäude auf dem Muna-Gelände

Die Geschichte der Heeresmuna Hänigsen beginnt Mitte der 1930er Jahre. Da nämlich wird der Kalischacht „Riedel“ in Hänigsen vom Oberkommando des Heeres übernommen, um für die Einlagerung von Munition und anderen Kampfstoffen ausgebaut zu werden.

Das Wachgebäude ist noch heute erhalten

Luftbild der Heeresmunitionsanstalt Hänigsen (aus 2017)

Ab 1937 errichtet die Wehrmacht in einem Waldgebiet etwa 2 km nördlich der Schachtanlagen eine Produktionsstätte zur Befüllung und Fertigstellung von Munition. Die Hänigser Ortschronik gibt nähere Auskünfte über die Baumaßnahmen: Demzufolge entstehen fünf Produktions- und vier dreigeschossige Lagerhäuser, zwei sogenannte Handmunitionshäuser, ein Speisesaal, sowie Sozial- und Sanitärgebäude.  Der Fertigungsbereich und die Schachtanlage werden durch einen Gleisanschluss der Burgdorfer Kreisbahn verbunden. Auf halbem Wege entsteht außerdem ein Barackenlager für die Arbeitskräfte (Lager Celler Weg).

Eines der noch nahezu im Originalzustand erhaltenen Lagergebäude

Ein weiteres Lagergebäude

Gleisanlage, Blickrichtung Wathlingen

Eingeschossiges Gebäude auf dem Munagelände

Dreigeschossiges Lagergebäude

1938 läuft die Produktion an, und die von zunächst 60 dienstverpflichteten Frauen in der Muna gefertigten Kampfstoffe werden fortan im Schacht eingelagert. Im Verlauf des Krieges  und mit der Verpflichtung von immer weiteren Arbeitskräften wird die Produktion stetig hochgefahren. Schließlich verlegt man jedoch wegen der ständig wachsenden Bedrohung durch alliierte Bombenangriffe die Fertigung nach Untertage. Laut Ortschronik zieht in die Gebäude im Wald der „Wehrkreis-Sanitätspark XI“ aus Hannover ein.

Nach Kriegsende sorgen die Briten für die Entmilitarisierung und Demontage der Muna. Während der Munitionsbergung kommt es am 18. 6. 1946 im Stollen zu einem schweren Explosionsunglück, bei dem rund 11.000 t Munition detonierten und 82 Menschen Untertage sowie 4 weitere Übertage in den Tod gerissen werden.

Die Aufräumarbeiten dauern bis 1950 an, anschließend beginnt die Wiederaufnahme der Kali- und Steinsalzförderung. Das Bergwerk wird 1996 endgültig stillgelegt.
Aus der Muna wird das „Sanitäts-Depot Hänigsen“, welches in den ersten Nachkriegsjahren die niedersächsischen Krankenhäuser mit Sanitätsmaterial versorgt. Seit ca. 1949 werden die ehemaligen Muna-Gebäude im Wald von der Firma Bahlsen als Lager genutzt – daher stammt wohl auch der für die Muna Hänigsen gebräuchliche Name „Waldlager“.


Lagergebäude von den Bahngleisen aus gesehen

An den Gleisen, Blickrichtung Hänigsen

Weiteres dreigeschossiges Lagergebäude

Lagergebäude

Alter Prellbock auf dem Munagelände

Lagergebäude von den Gleisen aus gesehen

Links der Gleise liegt das Munagelände und reicht bis zum Gebäude

Ehemaliges Sanitärgebäude?

Ehemaliger Speisesaal?

Das Gelände ist umzäunt und darf nicht betreten werden. Sämtliche Aufnahmen sind von außerhalb der Umzäunung entstanden.

Hier ist überall der Zutritt verboten

Auf einigen Bereichen des Geländes befinden sich noch heute Relikte aus der Kriegszeit,
wie Zünderbüchsen und andere Behältnisse aus Bakelit

Fotos: eigene (Mai 2015 und Februar 2016)